Historie

Aus der Geschichte des Musikvereins

Vorwort:

Im Jahre 2020 wird der Musikverein sein 175-jähriges Bestehen feiern. Auf der Grundlage von Aufzeichnungen und der Festschriften zur Feier des 110-jährigen Bestehens im Jahre 1955 und der Festschrift zum 120-jährigen Bestehen im Jahre 1965 möchten wir an dieser Stelle über die Geschichte eines der ältesten Musikvereine in Nordrhein-Westfalen berichten.

Die Anfänge des Musikvereins

Im Jahre 1845 bestand die Ortschaft Saalhausen aus etwa 65 Wohnhäusern. Die meisten der 530 Einwohner waren in der Landwirtschaft oder als Handwerker tätig. In diesem Jahr schlossen sich mehrere Bürger unseres Ortes zum gemeinsamen Musizieren auf Blechblasinstrumenten zusammen. In den Unterlagen des Vereins werden die Gründungsmitglieder Kaufmann und Gutsbesitzer Peter Schulte, die Landwirte Franz Trilling und Franz Joseph Gastreich sowie der Gastwirt Edmund Gastreich namentlich genannt.

Im Jahre 1862 gehörten dem zu einem Blasorchester gewachsenen Verein folgende Musiker an: Karl Berg (wanderte später nach Amerika aus), Franz Anton Döbbener, Robert Gastreich, Eduard Gerlach, Franz Hennes, Arnold Müller, Ernst Müller, Friedrich Müller (später Kapellmeister in Langenei), Hugo Müller, Karl Müller, Bernhard Schulte, Heinrich Schulte, Karl Schulte, Franz Wilhelm Stracke, Ferdinand Patt und Johann Zimmermann. Peter Schulte stand dem Orchester als Kapellmeister vor. Später wurde Eduard Gerlach Kapellmeister. Aus diesem Blasorchester entwickelte sich im Jahre 1871 ein Streichorchester, welches anfangs aus 12 Musikern bestand und im Jahre 1876 16 Mann zählte. Dieses Orchester wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 von Kammermusiker Wahle aus Berleburg geleitet. Er hatte im Jahre 1871 als Waldhornist am Einzug der deutschen Truppen in Paris unter Kaiser Wilhelm I. teilgenommen. Kammermusiker Wahle kam jeden Mittwoch von Berleburg zu Fuß zur Probe nach Saalhausen. Er benötigte für Hin- und Rückweg 12 Stunden. Für die Probe erhielt er drei Taler sowie freie Unterkunft und Verpflegung. Diesem Orchester gehörte auch der musikalisch veranlagte Flötist Seelsorger Kaplan Gierse an. Als man ihn nach seiner Versetzung in die Nähe von Breslau im Jahre 1877 zum Ehrenmitglied ernannte, bedankte er sich herzlich in einem Brief für die erwiesene Ehre. In diesem Brief, der noch im Original erhalten ist, spricht er dem Verein seine Anerkennung aus. In dieser Zeit wurden die Musiker vielfach beraten vom Kapellmeister des II. Nassauischen Infanterie-Regiment Nr. 88 in Mainz. Das Saalhauser Orchester war weit über die Heimatgrenzen bekannt. In einem noch im Original vorhandenen Telegramm vom 1. April 1884 heißt es wörtlich:

„Bismarck läßt für den ihm zu seinem Geburtstag gebrachten Tusch bestens danken …“.

Ob es sich tatsächlich um ein Dankschreiben des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reiches Otto von Bismarck oder um einen Aprilscherz handelt, ist nicht genau überliefert.

In den 1890er Jahren spaltete sich der Verein. Die älteren Musiker blieben zunächst der Streichmusik treu. Die Jüngeren begeisterten sich jedoch mehr für die Blasmusik. Die Blaskapelle in Kavalleriebesetzung übernahm der damals 18-jährige Fischzüchter Emil Rameil, wohnhaft in Fürstenberg bei Marsberg. Dieser Kapelle gehörten die Gebrüder Emil und Hugo Rameil, die Gebrüder Gustav und Josef Ludwig Gastreich, Adam Hennes, Friedrich Köss, Franz Metten, Josef Mönnig, Kaspar Mönnig, Alfred Rameil-Rötz, Joseph Schmies, Joseph Schöttler, Josef Schulte-Schmies, Hugo Trilling und Johann Zimmermann an. Emil Rameil diente von 1896 bis 1898 als 1. Flügelhornist beim I. Garde-Füsilier-Regiment in Potsdam. Später übernahm Friedrich Köss die Leitung des Blasorchesters. Nachdem er sich 1904 für 15 Jahre als Militärmusiker in die holländische Fremdenlegion verpflichtete, ging es mit der Kapelle ohne musikalischen Leiter abwärts.

Zur Zeit des 1. Weltkrieges

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Erst im Jahre 1920 ging es unter der Leitung von Alfred Zimmermann wieder aufwärts. Die jungen Musiker Alfred Böddicker, Franz Heimes, Gregor Heimes, Otto Klünker, Wilhelm Kristes, Julius Lammers, Franz Neuhäuser, Josef Rameil-Buchener, Kaspar Steinhanses und Hermann Wiese wurden noch einige Jahre von erfahrenen Musikern unterstützt. Im Jahre 1924 übernahm Lehrer Alois Plitt den Dirigentenstab und ging zur Harmoniebesetzung über. Alfred Zimmermann blieb dem Verein weiter als Trompeter treu. Schon bald stellte Dirigent Alois Plitt auch ein Streichorchester zusammen. Diese Besetzung spielte vornehmlich bei Tanzveranstaltungen. Der Verein blühte auf und zählte bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges 26 Musiker. Zahlreiche Konzerte bei Festlichkeiten und Auftritte bei öffentlichen Anlässen hat dieses Harmonieorchester der Gemeinde geboten.

Zur Zeit des zweiten Weltkrieg

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wurde es wieder still im Vereinsleben. Die meisten Musikkameraden wurden zum Militärdienst eingezogen. Die Musikkameraden Josef Heimes, Hubert Heimes, Franz Hennes, Bernhard Mennekes, August Rameil (Kohlhof) und Heinrich Schöttler (Jägers) kehrten nicht mehr zurück. Der größte Teil der Musikinstrumente ging verloren oder wurde zerstört. Wir dürfen nie vergessen, welches unvorstellbare Leid die Kriege gebracht haben. Die Mitgestaltung der jährlichen Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag ist daher eine wichtige Aufgabe des Musikvereins.

Aber schon bald nach Kriegsende 1945 fanden sich die noch lebenden Musiker wieder zusammen. Es konnten einige Musikinstrumente beschafft werden und es wurde wieder geprobt. Als dann Dirigent Alois Plitt in die Heimat zurückkehrte, ging es wieder aufwärts. Kapellmeister Plitt beendete im Jahre 1957 seine langjährige verdienstvolle Tätigkeit, blieb aber weiter als Berater tätig. Sein Nachfolger wurde Georg Menzel. Georg Menzel verstarb plötzlich im Jahre 1961. Im Jahre 1962 übernahm Walter Steinmeyer die musikalische Leitung. In den folgenden 12 Jahren brachte er den Verein durch Fachkenntnis und persönlichen Einsatz auf ein hohes musikalisches Niveau. Während seiner Tätigkeit wurde der Verein im Jahre 1965 mit der Bundesehrenmedaille ausgezeichnet.

Dirigenten von 1974 bis heute

Mit dem unerwarteten Tod von Walter Steinmeyer im Alter von nur 49 Jahren im Jahre 1974 begann ein neuer Zeitabschnitt im Vereinsleben. Hatte in den vergangenen Jahrzehnten nur selten ein Dirigentenwechsel stattgefunden, wurde der Musikverein nun nacheinander von Herbert Bäcker, Paul Antonczyk, Willi Offergeld, Heinz Nies, Willi Buntenbroich, Stefan Köhler, Klaus Hatting, Udo Bergel, Norbert Heckmann, Ulrich Schmidt, Frank Hanses und Tobias Schütte geführt. Eine besondere Anerkennung gilt Paul Antonczyk, Willi Buntenbroich und Norbert Heckmann, die sich als Musikkameraden aus den eigenen Reihen in diesen nicht immer einfachen Jahren dem Verein erfolgreich als Dirigenten zur Verfügung stellten. Patrick Müller war von 2008 bis 2014 Dirigent. Seit 2014 ist Guido Simon musikalischer Leiter des Orchesters.

Vorstandsarbeit des Musikvereins

Auch für die Vorstandsarbeit stellten sich immer wieder Idealisten zur Verfügung, die maßgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen haben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zunächst Karl Hufnagel und Adalbert Padt als Vorsitzende tätig. Insgesamt 18 Jahre arbeitete Franz Neuhäuser im Vereinsvorstand, davon von 1956 bis 1968 12 Jahre als Vorsitzender des Vereins. In Anerkennung seiner herausragenden Verdienste wurde er 1968 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Während der Amtszeit von Karl Börger konnte 1971 das Feuerwehrgerätehaus aufgestockt werden. Somit wurden erstmals eigene Proberäumlichkeiten geschaffen, aber auch der Grundstein für eine gute Nachbarschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr gelegt. Musiker und Feuerwehrkameraden haben bis heute ein hervorragendes Verhältnis. Durch enge Zusammenarbeit konnte gemeinsam viel erreicht werden. Beispielhaft sei hier die seit über 30 Jahren zusammen durchgeführte Großveranstaltung „Die Macht der Nacht“, die mittlerweile den Namen „Stark im Park“ trägt. Bis zum Jahre 1971 war im Speisesaal der Schützenhalle geprobt worden. Karl Börger konnte 1970 die PRO-MUSICA-Plakette für den Verein entgegennehmen. Diese Auszeichnung verlieh der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann laut Urkunde

„als Anerkennung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit um die Förderung des kulturellen Lebens“

aus Anlass des 125-jährigen Vereinsjubiläums. Von 1973 bis 1982 waren Kurt Mack, Paul Lammers und Manfred Neuhäuser als Vereinsvorsitzende tätig. Im Jahre 2011 wurde Bernhard Pohl für herausragende Verdienste mit der Verdienstmedaille in Gold der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände ausgezeichnet und zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Bernhard Pohl war zunächst von 1980 bis 1982 Kassierer und Zweiter Vorsitzender. 1983 wurde er zum Vereinsvorsitzenden gewählt und führte den Verein 28 Jahre bis Ende 2010. Unter seiner Leitung wurde der Proberaum durch einen Anbau vergrößert und zu einem Vereinsheim mit idealen Voraussetzungen für eine weiterhin erfolgreiche Vereinsarbeit ausgebaut. Auf Bernhard Pohl folgte Peter Graß, der bereits von 1983 bis 2010 als Zweiter Vorsitzender tätig war. Seit 2013 ist Jochen Richard Vorsitzender des Musikvereins „Cäcilia“ 1845 Saalhausen.